Diagnose: Überlebenskampf im Alltag

Shownotes

​⚠️ Kleiner Hinweis zur Technik: Da wir dieses Projekt mit 100% Herzblut, aber noch ohne Tonstudio-Diplom starten, hat uns bei dieser Folge der Technik-Fehlerteufel besucht. In den ersten 4 Minuten hört ihr Karsten leider etwas leise und mit einem leichten Echo. Auch im weiteren Verlauf schwankt die Lautstärke bei ihm ein wenig, da er sich als Podcast-Neuling erst noch an den richtigen Kuschel-Abstand zum Mikrofon gewöhnen muss. Wir haben alles gegeben, um es in der Postproduktion zu retten, aber manche Ecken und Kanten sind geblieben. Wir arbeiten hart an der Qualität für die nächsten Folgen – danke für eure Nachsicht und euer Ohr!

Diagnose: Überlebenskampf im Alltag“​

„Ich dachte, ich hätte mein ADHS im Erwachsenenalter einfach verwachsen...“

​In dieser Folge wird es richtig persönlich. Wir reden über die Zeit, in der wir dachten, wir müssten einfach nur besser „funktionieren“, während innerlich alles brannte.

​Das packen wir aus: ​ADHS ist kein Kinderding: Warum ich (ADHS) jahrelang dachte, ich sei einfach nur verpeilt, und warum Berichtshefte mein persönlicher Endgegner waren. ​Der radikale Fluchtgedanke: Carsten erzählt, warum er als erfolgreiche Führungskraft ernsthaft überlegt hat, alles aufzugeben und in Spanien obdachlos zu werden – nur um dem sozialen Druck zu entkommen. ​Eskalation in der Öffentlichkeit: Wir reden über den Moment im Einkaufszentrum, als die Reizüberflutung so groß war, dass Carsten eine Fremde angeschrien hat. Was passiert, wenn die autistische Sicherung durchbrennt? ​Paderborn & Freizeitparks: Unsere gescheiterten Versuche, „normale“ Familienausflüge zu machen, und warum wir heute lieber 3 Stunden nachts nach Hause fliehen, als in einem Hotel zu ersticken. ​Das Entlastungssystem: Wie Spielzeug-Rotation und Hilfe von außen uns davor bewahren, dass die gesamte Struktur kollabiert. ​Ein Deep-Dive in die dunklen Momente der Neurodivergenz – und warum Erkenntnis manchmal wehtut, aber der einzige Weg nach vorne ist.

Transkript anzeigen

00:00:00: Hi, ich bin Janin.

00:00:01: Ich bin Carsten

00:00:02: und zusammen sind wir das Problem denn ich hab ADHS und

00:00:05: ich habe Autismus.

00:00:06: Hallo und herzlich willkommen zur Folge zwei unseres Podcasts und schön dass ihr heute wieder eingeschaltet habt.

00:01:05: Heute geht es um Kinder, Chaos und Nervenzusammenbrüche.

00:01:08: Davon haben wir glaube ich ganz viel zu erzählen.

00:01:11: Regelmäßig.

00:01:12: Ihr habt abgestimmt auf mal ein Instagram-Profil was ihr denn gerne hören wollt.

00:01:15: diese Folge Und das hat mit Abstand die meisten Stimmen bekommen nämlich Kinder, chaos und Erfen zusammenbrüchen Was ich natürlich ausstehen kann weil ist glaube ich viele von euch da draußen betrifft und dementsprechend steigen wir gleich einmal ein.

00:01:28: wie war denn unser Morgen heute?

00:01:30: Schatzi

00:01:31: Ja, also heute Morgen war eigentlich wie jeder andere eine Bruchervollkatastrophe.

00:01:37: Aber es ist auch mit dem Hund geschuldet?

00:01:38: Ich habe

00:01:38: mir gedacht das wäre richtig geil gewesen.

00:01:40: Also kurz bevor ich zu Kita gefahren bin, ist es dann eskaliert.

00:01:43: Also den kleinen Anzieh ist okay unsere fünfjährige autistische Tochter... Vollkalastrophe.

00:01:48: Ja, aber volles Mett.

00:01:49: Die ist auch heute Morgen die ganze Zeit hin und her gelaufen wie so ein unruhiger Tiger der durch die Wohnung streift.

00:01:55: Wir haben

00:01:55: beim Aufwachen schon gesagt dass es ihr alles zu viel ist und da wusste man schon wahrscheinlich okay Tchaolikowski ich habe erst mal den Klein gemacht mich um den Hund gekümmert und das ging auch alles richtig gut und auch mit dem Hund ging richtig gut obwohl wir da Problematiken haben.

00:02:10: Dann eskaliert, als ich ihr den Socken anziehen wollte und ja sie wollte das nicht.

00:02:15: Sie hat sich weggedreht und seitdem ging gar nichts mehr.

00:02:18: Grundsätzlich

00:02:19: ist das halt auch so dass man das nicht vergleichen kann mit einer normalen fünfjährigen.

00:02:23: also Es ist schon so, dass wir sehr viel Kehrarbeit machen müssen.

00:02:28: Also ich kann in unseren zweijährigen wesentlich leichter anziehen.

00:02:31: Ja

00:02:32: mittlerweile ist das wirklich so.

00:02:34: Das sieht sich auch jetzt die Jacke an, während sie wirklich schon Panik und Schrumm schreit wenn sie nur die Jackel sieht.

00:02:40: Es ist halt schon so im Alltag dass sie eigentlich recht wenig selbstständig erledigen kann.

00:02:45: und desto älter der kleinste jetzt wird, desto mehr merkt man tatsächlich die Einschränkung von der Großen was tatsächlich für mich als Mutter eher ein Zwiespalt auslöst weil Es ist halt, ja es ist ein bitterer Beigeschmack weil man natürlich auch sieht wie einfach das mit den kleinsten wird.

00:03:05: Mit anziehen und dann sieht man natürlich oder hat man noch eher vor Augen wie schwierig das ist die einfachsten Sachen mit der großen zu machen.

00:03:15: also anziehen wirklich jeden morgen eine Vollkatastrophe.

00:03:18: wir erkennen auch immer ganz gut daran wie sie drauf ist wenn wir hören wie oft sie Nase sagt Hört sich jetzt doof an, aber was hat das mit der Nase auf sich Schatzi?

00:03:29: Na ja sie feste dann halt immer an die Nase schon seit Jahren und wir wussten erst gar nicht was es ist.

00:03:36: Aber es ist halt Regulation!

00:03:38: Und wenn Sie morgen schon fünfhundertmal Nase sagt wissen wir was für ein Tag ist.

00:03:42: Ja deswegen auch denn der Titel deines Buches

00:03:46: Heute ist ein Nasentag.

00:03:47: Ja, wir haben das am Anfang gar nicht so ernst genommen und fanden es auch erst lustig bis es dann so exzessiv wurde, dass es wirklich wirklich nervig wurde.

00:03:56: Und als sie so drei war da ist das dann gerade auch im Kindergarten so eskaliert Dass die so krass an die Nase gekniffen hat, dass

00:04:05: andere Kinder geblutet

00:04:06: hatten.

00:04:07: Ich hatte regelmäßig Verletzungen nach meiner Nase.

00:04:10: Mittlerweile macht sie es ein bisschen vorsichtiger.

00:04:13: Sie fragt mich auch jeden Tag, ob sie das Baby in die Nase kneifen darf.

00:04:16: Ja, sie knifft allen in die Nasen und kuschelt hier hin und so auch?

00:04:22: Also das ist wirklich, seitdem das war das allererste Anzeichen was sie uns gegeben hat.

00:04:26: Wir wissen wenn Sie einen an die Nase fasst heute wird ein schlechter Tag.

00:04:31: Wenn Sie das morgens weg nach dem Aufstehen macht.

00:04:33: Ja.

00:04:33: Wenn sie es nicht macht ist ein guter Tag.

00:04:34: zum Beispiel gestern bei einem Tag da hat sich etwas gar nicht gemacht.

00:04:37: Da habe ich schon gedacht was ist denn da los?

00:04:39: Dass du sie gerade überfragt hast dann heute mit der Nase

00:04:42: und heute Morgen war das halt wieder richtig extrem.

00:04:45: Ja normales Erziehen bei autistischen Kindern ist halt einfach nicht möglich Das muss man dazu sagen.

00:04:53: Es ist eine andere Hausnummer und uns hat tatsächlich unter unserer ersten Podcast-Folge, einer Dame drunter geschrieben.

00:05:02: Dass sie das ganz gut findet, dass ich das gesagt habe, dass es jeden Tag ein Kampf ist wirklich sich nicht zu trennen oder sich nicht als Eltern zu verlieren.

00:05:10: Und das hab' ich dir auch geschickt?

00:05:12: Ja, das Kommentar!

00:05:13: Ich meine wir wollen uns ja eigentlich fast jeden Tag trennen.

00:05:17: Ja, und dann am Ende des Tages wenn die Kinder in einem Kindergarten sind stehen wir hier... Auch heute Morgen haben wir tierisch gestritten.

00:05:22: Ich bin in der neununddreißigsten Schwangerschaftswoche.

00:05:25: Ich kann nicht mehr so viel machen, ich bin nachts für die Kinder zuständig und heute Nacht war ... Oh Gott!

00:05:33: Es ist Katastrophe, ich kann das mal ja kurz erzählen wie das ist nachts.

00:05:37: Dann auch nachts hört die Kehrarbeit nicht auf.

00:05:40: also ich glaube die Leute unterschützen auch wenn sie hören ja autistisches Kind wie viele Baustellen da auch sein können weil Autismus ist ein riesengroßes Spektrum auch adhs in übrigen aber bei meiner großen ist es so Total die Angststörung.

00:05:55: Und ich, jetzt in meiner fortgeschrittenen Schwangerschaft, das ist halt so dass ich mindestens drei vier fünf mal die Nacht auf Toilette muss und bei mir ist es mittlerweile wirklich so... Die schläft im Bett direkt neben mir.

00:06:14: Ja also in einem separaten Prinzessendenbett hat sie jetzt gerade bekommen Und da schläft sie alleine drin, aber sie hat eine wahnsinnige Angststörung und sobald ich auch nur auf zehn Spitzen wirklich ganz, ganz leise versuche den Raum zu verlassen ist Katastrophe.

00:06:31: Die schreit sofort Mama!

00:06:34: Das ist so eine krasse Belastung nachts, dass ich wirklich jedes Mal Angst haben muss wenn ich den Raum verlasse das die rumschreit und ihren Bruder wach macht.

00:06:44: Das kann man sich nicht vorstellen ja?

00:06:46: Aber ändern kann ich es halt auch nicht Weil sie hat halt eben diese Angststörung.

00:06:51: Und sowas ist halt auch sehr, sehr schwer therapierbar.

00:06:55: also die Trennungsangst ne?

00:06:56: Wie wird so eine krasse Trennung angst bei Kindern therapieren?

00:07:01: eigentlich nur mit Sicherheit und dieses Sicherheit geben wir ihr so Stück für Stück durch das System was wir hier etabliert haben.

00:07:08: aber es ist glaube ich noch ein sehr langer Weg bis sie auch vertraut darauf dass man nicht weg geht.

00:07:14: Ich schreibe das definitiv dem zu Dass sie super viel Stress hatte damals mit den Umgängen, mit dem Vater.

00:07:21: Gute ist ja dass das System tagsüber gut funktioniert aber nachts ist es halt nochmal eine ganz andere Nummer.

00:07:28: Tagsüber ist das mit der Angst ja auch weniger geworden durch das System weil es ihr Sicherheit gibt und deswegen...

00:07:34: Es gibt dir nicht nur Sicherheit das ist ja mittlerweile wirklich wie du schon in der letzten Folge gesagt hast ein Automatismus.

00:07:40: Also, sie macht das ja automatisch.

00:07:42: Sie geht automatisch in die Gartenspielzeit.

00:07:46: Das ist mittlerweile wirklich so ... dass sie das gar nicht mehr hinterfragt.

00:07:52: Das finde ich schon krass!

00:07:53: Wenn ich mir so zusammenfasse... Ich glaube, die schlimmsten Morgende der letzten Zeit gibt es gerade gar nicht.

00:08:01: Ich glaube jeder Tag ist aktuell eine Herausforderung und das um jetzt auf diesen Kommentar wieder zurückzukommen macht es auch als Paar wirklich herausfordernder, gerade in unserer Situation.

00:08:13: Gerade wo ich jetzt hoch schwanger bin sich nicht jeden Tag die Köpfe einzuhauen.

00:08:19: und jedes mal kommt Karsten dann vom Kindergarten zurück und ich auch und dann hat sich unsere Lage so ein bisschen beruhigt und jedes Mal sagen wir was?

00:08:29: Es sind die Kinder!

00:08:30: Ja es sind die Kindern und die Umstände... Würdest

00:08:33: du sagen das ist Peinlich.

00:08:36: ist ein Entlastungssystem oder grundsätzlich Hilfe von jemand Fremden anzunehmen, um seine Erziehungsprobleme zu lösen.

00:08:46: Weil man damit ja auch so ein bisschen sagt es ist jetzt ja auch, dass ich das selber verkacke und ich brauche Hilfe von außen.

00:08:52: Ist da würdest du sagen, dass das peinlich?

00:08:54: Nein mittlerweile nicht mehr!

00:08:56: Aber ich kann mir sehr oder ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass viele Leute das so empfinden.

00:09:02: Weil es ist halt einfach ein sehr scharmbelhaftes Thema – ganz einfach!

00:09:07: Es ist einfach sehr scharm behaftet und öffentlich zu erzählen oder zuzugeben, dass man überfordert mit seinen Kindern ist.

00:09:14: Das stößt gerade in erster Linie.

00:09:17: Erzählst du es ja erstmal wem?

00:09:19: Deine Freunden, deine Familie.

00:09:21: Da sagst du, das ist gerade so anstrengend und wie machst du das?

00:09:25: Und was kriegt man dann wieder zurück?

00:09:27: Ja bei uns ist es nicht so.

00:09:28: ja weil du vielleicht neurotypisch bist oder normale Kinder hast, aber die wissen nicht mehr ansatzweise was für ein System du lebst.

00:09:35: Also würdest du sagen das Problem ist eher der Druck der Gesellschaft dass man nicht versagen darf und dass man dann irgendwie wie wir es auch selber schon erlebt haben in der Öffentlichkeit angemacht werden... Wie oft?

00:09:49: Und der Tochter war ungefähr vier oder so.

00:09:53: Sie hatte gerade einen Meltdown, das war aber glaube ich auch noch die Phase wo ich nicht wusste dass es ein Meltdown ist.

00:09:57: Nee da stimmt nicht!

00:09:58: Ich wusste schon und dann hat sie nämlich richtig krass rumgeschrien einmal richtig krasses aufgeschrieben durch das Einkaufszentrum Und auf der anderen Seite... Das muss so zwanzig Meter im Fan gewesen sein, war so eine etwas ältere Frau.

00:10:14: Die hat drum geschrieben Mein Gott also so richtig doll.

00:10:18: und dann habe ich durch dieses ganze ... weil ich da ja auch schon so angepisst war, durch dieses ganze Einkaufszentrum geschrien halt die Fresse.

00:10:29: Alle

00:10:30: haben geguckt!

00:10:32: Aber ich hatte auch einfach keinen Bock mehr.

00:10:33: Es hat doch keiner... Hattest

00:10:34: du auch solche Situationen in

00:10:36: denen du

00:10:37: angemacht wurdest?

00:10:38: Ja auf jeden Fall.

00:10:38: Ständig, wir reden immer darüber.

00:10:41: Wir haben auch ehrlicherweise immer das Gefühl dass ich eher angemachtet werde wenn du nicht dabei bist.

00:10:46: Das ist ein ganz... komischer, das ist irgendwie eine ganz komische Konstellation.

00:10:51: Ich werde tatsächlich eher von älteren Menschen angemacht.

00:10:56: Zum Beispiel war ich einmal mit dem Supermarkt und sie wollte was haben.

00:11:00: Und sie hat es dann auch gekriegt und du weißt ja ... Sie freut sich dann halt extrem nach?

00:11:04: Also ihr schreit denn richtig rum und hüpft und so, ne?

00:11:07: Und diese Frau hat sich wirklich richtig krass darüber beschwert dass ... zu lautes und so rumschreiht.

00:11:14: also vor Freude.

00:11:16: Das sind solche Momente, wo ich mir so denke.

00:11:18: Okay ja gut sie heuelt hier jetzt nicht, sei doch froh!

00:11:21: Sie hat halt auch ganz ganz oft in der Öffentlichkeit wenn es so viel wird, so Momente wo man dann einfach nur die Blicke mitbekommt, wo sich dann einfach so ah das sich rumschreit.

00:11:31: Hat

00:11:31: mich auch sogar mal diese eine Frau gesagt dass das ne Modeerscheinung sei?

00:11:35: Ja genau Das kriegen wir auch.

00:11:38: Leute, ihr wisst nicht wie Triggered das ist!

00:11:41: Wenn Leute mir sagen Neurodivergenz seinen Modeerscheinung... Ich hasse es.

00:11:45: ich hasse's weil mir dass mein eigenes Umfeld ja auch so Nicht direkt vermittelt hat.

00:11:51: also meine Eltern haben schon Ja alles und da bin ich auch ganz stolz drauf.

00:11:56: Ich hab ja meine Diagnose damit, das war schon sehr früh.

00:12:00: Das ist noch gar nicht so in öffentlichen Munde, sag ich mal ... Aber trotzdem haben sich Sachen in meiner Kindheit reingeschlichen, die ich wirklich lange geglaubt habe.

00:12:12: Zum Beispiel, dass ich ADHS einfach verwächste im erwachsenen Alter und es hat mich einfach so krass belastet, weil ich immer dachte, ADHS kann man ja eigentlich als Erwachsener haben!

00:12:23: dass ich mich immer selbst total fertig gemacht hab für meinen Verhalten, was eigentlich total neurodivagent war.

00:12:29: Aber ... Ich geh ja nicht!

00:12:31: Ich hab keinen ADHS mehr.

00:12:32: Verstehst du, was ich meine?

00:12:34: Ich habe mich so krass unter Druck gesetzt, weil ich immer dachte, was stimmt mit dir nicht in der Ausbildung?

00:12:38: Ich hab ständig gehört, boah, Erinine, du bist so unkonzentriert.

00:12:42: Warum schaffst du das denn nicht daran zu denken?

00:12:45: oder?

00:12:45: ein ganz großes Thema war eine Ausbildung, meine Berichtshälfte zu schreiben.

00:12:49: Ich hab's nicht auf die Kette bekommen.

00:12:51: Nicht, gar nicht.

00:12:52: Null, null.

00:12:53: Auch nicht die monatlich abzugeben oder so?

00:12:54: Ich hab jeden Monat auf die Fresse bekommen.

00:12:56: Bei mir war das so ... Ich musste berichtshefte schreiben, ich hatte zum Glück das Pech, dass mein Ausbilder damals darauf bestanden hat sich alle zwei Wochen mit mir hinzusetzen und das alles abzugleichen.

00:13:06: Bei meinen Kollegen war es so, die mussten das dann erst zum halbjahres Ende immer abgeben.

00:13:10: Warum war's so?

00:13:11: Weil mein Chef wollte, dass ich der Beste in der Klasse war.

00:13:14: Oh

00:13:14: ja!

00:13:14: Das sollte mir eine Ausbildung auch.

00:13:15: Ja, darum gekommen ist eigentlich nur, Klar kann man auch ein bisschen an mir, das war halt nichts für mich.

00:13:22: Und der hat sich da einfach den falschen Kandidaten ausgesucht.

00:13:25: aber ich wusste es eigentlich schon von Anfang an.

00:13:28: Das ist ein anderes Thema.

00:13:29: Wie ist das denn eigentlich wenn unsere Tochter jetzt in der Öffentlichkeit einen Melddown kriegt?

00:13:34: Wie war das früher als du noch nicht wusstest dass es ein Meld down ist?

00:13:37: und wie ist es jetzt?

00:13:38: gehst du damit jetzt anders um wie früher?

00:13:40: Ist es dir peinlich?

00:13:41: Nein!

00:13:42: Was ist dir peinlich?

00:13:43: Gib ich die Frage zurück.

00:13:44: Nee, mir ist mittlerweile alles scheißegal, weil was das Thema angeht ... Ich kacke auch die Leute an und mir ist es egal.

00:13:50: Ich hab einmal zu einer Edge-Rundfrau, als ich ausgerastet bin gesagt, sie hat Autismus.

00:13:57: Weil ich auch in dem Moment ... Ich war so sauer.

00:14:00: Also das mache ich nicht mehr, ich habe halt irgendwie das Gefühl dass dieses Erklären mit sie hat Autismus keinen Sinn macht weil Autismus gerade bei älteren Menschen keine anerkannte Krankheit ist.

00:14:12: und das ist halt einfach so und ich hab einfach aufgehört damit zu kämpfen sondern entweder ich ignoriere es komplett oder ja ich meine ich habe eigentlich damit ... aufgehört jetzt jedes Mal rumzukacken, weil das auch einfach nichts bringt.

00:14:25: Was bringt mir da gar nix?

00:14:26: Ich

00:14:26: verstehe es halt auch nicht!

00:14:28: Es war am Anfang... ich hab dich ja gerade gefragt wie es war als sie noch kleiner waren und da war's halt...

00:14:35: Wir dachten Sie provoziert uns.

00:14:37: Dass da nicht so viele Menschen was gesagt haben, weil es dann immer noch... Irgendwie im Rahmen ist ja trotziges zweijähriges Kind, aber wo sie dann größer aussieht.

00:14:47: Erwartet man halt einfach automatisch.

00:14:49: also das ist so meine Erklärung die Menschen die erwarten automatisch einem bestimmtes Niveau von einem Kind und unsere Tochter ist ja von einer Entwicklung her eher so wie eine dreijährige anstatt wie ne fast sechsjährige.

00:15:01: Das ist ja nicht der Erwartungen entsprechend.

00:15:03: deswegen fällt es natürlich jetzt mehr auf und wir ecken immer an Je älter sie wird umso stärker wird das mit dem Anlecken weil man natürlich von einem fast sechs jährigen Mädchen mehr erwartet.

00:15:12: Mehr Impulskontrolle, mehr Kontrolle grundsätzlich aber das stimmt halt einfach nicht.

00:15:17: Das kannst du von einem autustischen Kind nicht erwarten.

00:15:19: und

00:15:19: ganz früher war es ja so vor der Diagnose bevor wir irgendwas wussten.

00:15:24: da gab's eine Situation das gab auch öfter.

00:15:26: Aber einmal ist es richtig eskaliert nachts.

00:15:29: Da war sie dann plötzlich wach.

00:15:31: Wir hatten auch einen anstrengenden Tag und ich weiß noch nicht mehr was er war auf jeden Fall Ah, hat sie dann geschrien, geschrien und geschrien.

00:15:37: Ich war so sauer, ich hätte die am liebsten vor die Wand geklatscht.

00:15:40: Und ich war so dauer, hab rumgeschrien und rumgemäckert ... Ich hab zu ihr gesagt, wieso machst du uns das Leben zur Hölle?

00:15:47: Ja, das weiß ich noch.

00:15:48: Du hast ewig ein schlechtes Grund.

00:15:50: Im

00:15:50: Endeffekt hatte ich selber einen Wilddown.

00:15:53: Das war richtig krass, als wir eine Diagnose hatten.

00:15:55: Zu den Zeitungen wusste ich nicht mal, dass ich Autismus habe.

00:15:58: Da ist mein Leben immer blöd aus der jetzigen Sicht betrachtet.

00:16:02: Hatten wir bei dem Meldauen.

00:16:04: Ja, aber ich finde es auch angenehm, dass man das jetzt aus dieser Sichtweise sich erklären kann und dann kann man damit doch umgehen.

00:16:10: Ich hatte nämlich ziemlich lange ein schlechtes Gewissen, dass ich sie da so angekackt habe.

00:16:13: Hast du auch komplett

00:16:14: gesehen?

00:16:14: Jetzt hab' ich ja mal nicht mehr weil ich weiß wo dran das lag.

00:16:16: wir können daran arbeiten.

00:16:17: Da bin ich mit mir jetzt fein!

00:16:19: Wir können beide nichts dafür alles gut.

00:16:20: Kannst Du Dich in unserer Tochter wiedersehen in einigen Momenten?

00:16:23: Ja also beim Nase machen jetzt nicht.

00:16:26: Ich fass anderen Leuten ungern an die Nase, weil ich Angst vor Bakterien habe... Das grundsätzliche diese Wut, wenn sie ... Schatz.

00:16:35: Warte mal!

00:16:36: Ich glaube Sie weiß einfach noch nicht was Bakterien sind?

00:16:39: Also Sie weiß ja noch nicht... Nee,

00:16:40: Sie weiß das nicht.

00:16:41: aber wenn

00:16:41: Sie es weiß vorbei

00:16:42: Wenn sich ausrastet und man weiß gar nicht warum ich weiß nicht ob sie dann Grund hat Aber er ist einfach nicht kommunizieren kann.

00:16:49: aber ich kann mich daran erinnern dass ich manchmal auch jetzt noch irgendwie so wütend bin Und ich weiß selber gar nicht Warum.

00:16:54: ein bisschen erkenne ich das Erkenne ich mich in ihr wieder aber auch dieses Gefühl.

00:16:59: trotzdem ist das irgendwie alles komplett unterschiedlich.

00:17:01: Ja, also es ist halt ein riesengroßes Spektrum.

00:17:03: Also

00:17:03: ich hatte keinen frühkindlichen Autismus und wer?

00:17:06: ich habe gerade in meinem Kopf natürlich mich in dem Alter indem sie sich jetzt befindet verglichen und das ist aber eigentlich nicht vergleichbar weil ich da noch fast keine Probleme hatte.

00:17:15: Ja, du bist halt ...

00:17:16: Ich war eher ein bisschen ruhiger und zu mir haben alle immer gesagt.

00:17:19: Also auch bis ins Erwachsene-Alterien.

00:17:22: Er ist einfach nur schüchtern so, ne?

00:17:24: Ja ich bin nicht schüchternd.

00:17:26: Das ist ... Einfach... Ich hab nichts gesagt weil ich komplett überfordert war.

00:17:29: Die ist aber auch richtig ruhig!

00:17:31: Also ihr könnt beide ...

00:17:32: Ja, ich war auch zu Hause ruhig.

00:17:33: Ich war

00:17:34: auch ... Nein, er meinte jetzt nicht bei Fremden sondern ich meine innerhalb der Familie und bei Leuten die man so kennt war ich auch ruhig immer noch.

00:17:42: Bin ja bis heute noch.

00:17:43: Ja, bist du immer noch bis heut ... Wie ist

00:17:45: eher so flippig?

00:17:46: Ja, das stimmt.

00:17:47: Aber sie kann auch sehr ruhig sein.

00:17:49: Wenn ich sehe wie ruhig sie sich mit Sachen beschäftigen kann... Auch ganz lange.

00:17:54: Sie kann sich ewig im Sand draußen beschäftigen.

00:17:57: Ja, dass stimmt!

00:17:57: Also da ist sie schon sensorisch sehr stark.

00:18:02: Weil

00:18:02: gestern Abend ist sie die ganze Zeit vom Küchentisch zum Sofa gelaufen und immer hin und her.

00:18:07: Ich wusste gar nicht warum die das gemacht hat.

00:18:09: Ja erzähl mal dir eine.

00:18:11: Ich kann mir vorstellen, dass es wenn sie nervös ist.

00:18:14: Wie du schon sagtest in einen Abend wollte sie Gabby nicht gucken.

00:18:16: zu Einordnungen unsere Tochter darf jeden Abend eine Stunde Gabby gucken und das ist eine stunde Medienzeit Und Papa hat dir dann Gabby angemacht und sie ist hin und her gelaufen hin und Her gelaufen Und kam irgendwie gar nichts zur Ruhe.

00:18:32: und Carsten hat irgendwann sie hat sich denn so gefragt So willst du das nicht gucken?

00:18:36: Ja das war vorgestern glaube ich.

00:18:39: Sie guckte immer abends eine Stunde gelbig und sie hat seit ein paar Wochen diesen Tick, sag ich mal.

00:18:46: Dass sie immer nur die allererste Folge gucken will.

00:18:49: Echt?

00:18:49: Das ist dich gar nicht!

00:18:51: Ja weil du in der Zeit die Einschlafbegleitung mit unserem Sohn machst.

00:18:55: Und dann guckt sie immer wieder diese Folge und ich dachte ja okay Monotonie und so... Vorgestern ist sie dann hin und her gelaufen, hin und Her gelaufen.

00:19:06: Und sie sagt dann was ist denn?

00:19:08: Ja das ist ihr zu laut, sagt sie.

00:19:10: Dann habe ich es leiser gemacht.

00:19:11: Das ist ihr immer noch zu laut.

00:19:12: Habe ich noch leiser gemacht, konnte man fast gar nichts mehr verstehen.

00:19:14: War auf Stufe zwei oder so der Fernseher.

00:19:18: Weil die ganze Zeit so... Was ist jetzt?

00:19:20: Hab ich gesagt möchtest du vielleicht etwas anderes gucken?

00:19:23: Ja ja ja ja sagt sie!

00:19:25: Sie kann das nicht

00:19:27: sagen,

00:19:27: sie hat einfach nur gesagt ist zu viel.

00:19:29: aber ich konnte mit dem den momenten natürlich so

00:19:30: laut.

00:19:31: und dann wollte mir mal eine andere serie aussuchen.

00:19:35: Und da ist auch wieder das problem sie sagt nicht so ich will wenn jetzt fünf serien sind und sie will einer davon sagte ich will die sondern man muss dann so durchswitschen.

00:19:43: und dann.

00:19:44: Sagt sie bei jeder sauer und bei jeder die sie nicht will fährt sie weiter hoch und wenn man die dann hat.

00:19:50: die sie haben will.

00:19:51: Sagt sie, ja, ich habe Freude zu sich richtig und dann macht mir die anderen das alles gut.

00:19:55: Dann sitzt sie da.

00:19:56: Was wollte Sie den Abend haben?

00:19:57: Teletubbies!

00:19:59: Ja weil die Teletubs natürlich nicht sprechen und ich vermute mal es war so viel.

00:20:07: Das war hier wirklich zuviel.

00:20:08: deswegen hat sie das auch so...

00:20:10: Sie wusste nicht, wie sie sich ausdrücken soll.

00:20:12: Deswegen hat sie gesagt es zu laut.

00:20:14: Ja, sie meinte aber das ist zu viel.

00:20:17: Das finde ich schon wieder krass.

00:20:20: Aber dazu muss ich sagen dass sind natürlich so Situationen wenn man die mit einem normalen Kind hat oder in einer normalen Familie würde man voll sauber werden schnell und sagen ja sag mal sei froh dass du überhaupt Fernsehe gucken darf.

00:20:32: Ich mach die Kiste jetzt aus, wenn du hier so rum bockst.

00:20:34: Man muss halt ein bisschen mit ihren Aussagen und so immer spielen und vielleicht ein bisschen um die Ecke denken dann einfach... ich meine das ist ja auch diese Stunde.

00:20:41: Eine Phase in der ich ein bisschen aufräume und sie darf das und das is' ja auch wirklich dass zu achtzig Prozent dieser stunde bin ich für Sie zuständig.

00:20:50: Ich habe nichts wichtig, alles anders zu tun!

00:20:53: Ich fange jetzt um neunzehn Uhr anzuarbeiten.

00:20:54: bis dahin ist die Zeit für unsere Tochter und dann nehme ich mir natürlich auch die Zeit sie zu verstehen.

00:20:59: oder wenn sie dann ausrastet bin ich natürlich auch ein bisschen lockerer, gucke dann das alles läuft

00:21:03: so.

00:21:03: Das war übrigens auch ein Anzeichen.

00:21:04: was wir ganz früh hatten fällt mir gerade auf, wo ich das mal so einwerfen wollte.

00:21:09: Wir immer raten mussten, was sie von uns möchte.

00:21:12: Das war so ein Kampf!

00:21:13: Ich hab immer gedacht, wenn das Kindererziehung ist ... wir schaffen all die anderen das?

00:21:18: Erst mal hatten wir, dass sie nicht richtig Ja und Nein sagen konnte.

00:21:22: Sie

00:21:22: konnten nur Ja sagen.

00:21:23: Sie

00:21:23: konntet nur ja sagen.

00:21:25: Nein!

00:21:25: Sie konnte nur Nein sagen.

00:21:26: Guck

00:21:26: mal, solange ist das schon her.

00:21:27: Sie konnte nur nein sagen.

00:21:28: Ich glaub zwei verschiedene Nines.

00:21:30: Nein und Nein.

00:21:32: Wo ist der Unterschied?

00:21:32: Das gehört für alle anderen jetzt bestimmt genau gleich an.

00:21:36: War das nicht eher so?

00:21:37: Nein Nein.

00:21:40: Und das nein?

00:21:41: War dann das ja?

00:21:42: Ja,

00:21:43: richtig!

00:21:43: Wenn man vom Kühlschrank stand und gesagt hat willst du Käse haben... Dann hat sie gesagt nein und wir haben am Anfang immer erst oder speziell ich den Kühlchrank zugeknallt und gesagt okay doch nicht.

00:21:55: und sie meinte aber mit nein ja.

00:21:57: und dann war sie natürlich ein bisschen beleidigt und hat rumgerastet und man dachte so hey du wolltest das doch nicht.

00:22:01: wieso rassest du jetzt auf?

00:22:02: später

00:22:02: kamen das mit entjualien zu Wo sie denn gesagt hat, wo man sich gefragt hat willst du Käse haben?

00:22:07: Sie so, willst du Kese haben.

00:22:09: Sie hat sich vor dem Kühlschrank gestellt und gesagt, willst Du Käse Haben!

00:22:12: Und man sagt so Nee ich will jetzt kein Käse aber danke dass du es mir angebucht hast und dann renn' ich zu dir und sag Schatzi haha Die drei-jährige Tochter hat mich gerade gefragt ob ich Käse habe weil mein Vater ist zuckersüß... ...und irgendwann haben wir dann gecheckt sie will Käsehaben.

00:22:26: Ja...sie wollte der

00:22:29: Käse... Und ab dem Zeitpunkt hab ich immer das mache ich übrigens heute noch.

00:22:32: Wenn sie was sagt dann wiederhole ich das.

00:22:35: Du fragst das ganz oft zurück.

00:22:36: Ja, wenn sie zum Beispiel sagt, willst du eine Umarmung?

00:22:39: Dann sag ich, willst so einer Umarmungen?

00:22:41: und dann sagt sie ja!

00:22:43: So in etwa ist es.

00:22:45: Oder den Eintag, das hatte ich auch auf meiner Instagram Story.

00:22:48: Da wollte sie Wasser haben.

00:22:50: Sie hat dem auf die Flasche gezeigt und gesagt, was ist das?

00:22:55: Und ich so, möchtest du etwas trinken?

00:22:56: Also das sind so, man muss bei autistischen Kindern einfach anders denken.

00:23:01: Ich bin mal gespannt wie viele von euch das hier fühlen.

00:23:04: aber unsere Überlebensstrategien in Alltag sind halt wirklich erstmal unser Wochenplan und sein Lastungssystem.

00:23:11: Ich kann nur immer wieder, also wir haben das ja für uns gemacht.

00:23:15: Und ich kann nur halt immer wieder betonen wie wichtig Struktur und ein System, ein festes System für neurodivergente Familien

00:23:23: ist.

00:23:23: Komm mal auf das Thema Struktur!

00:23:25: Was ist so das eine Ding was unseren Haushalt zusammenhält oder unseren Tagesablauf zusammenhält?

00:23:32: Vor

00:23:32: dem Entlastungssystem war es absolute Katastrophe weißt du

00:23:35: noch?!

00:23:35: Ja, also ist es eigentlich das Nassungssystem.

00:23:38: Es ist wirklich so!

00:23:39: Also ich komme runter und es ist wirklich dass wenn wir nicht von einer Einschlafbegleitung runter kommen und beide Kinder schlafen... Brauche ich hier nichts mehr machen, weil wir haben alles tagsüber erledigt.

00:23:49: Und das ist auch etwas was ich letztens auch in meiner Instagram Story hatte.

00:23:52: Das sind solche kleinen Sachen natürlich das Entlastungssystem dass uns die Zeit gibt während die Kinder Alleinspielzeit haben Gartenspielzeit haben einfach hier auch schon das nötigste im Haushalt zu machen Dass wir immer eine Grundordnung drin haben.

00:24:04: Aber heute Morgen zum Beispiel mit diesen mit den Zeiten.

00:24:07: unser zweijähriger Sohn hat heute morgen nach dem Aufstehen Er kam runter und hat gesagt So, Snackzeit.

00:24:15: Ja!

00:24:17: Und das war auch genau die Zeit?

00:24:18: Genau die Zeit.

00:24:19: Gestern war das auch.

00:24:20: Also unser zweijähriger Sohn kann die Tagesstruktur

00:24:24: komplett auswendig

00:24:26: und das ist richtig cool.

00:24:28: Auch die Farben.

00:24:29: Die Kinder verbinden das ja mit Farben zum Beispiel Gartenspielzeit oder ... Das fand ich auch süß.

00:24:35: Letztens hat mein Sohn mir durch die Karten gesagt was er gerne möchte.

00:24:39: da hat er sich die Nähezeit genommen Die Kuschelkarte und hat mir die gegeben.

00:24:44: Ja, das ist richtig klasse!

00:24:46: Und das ist das Ding was uns wirklich... ...was jetzt der Game Changer war ne?

00:24:51: Seitdem ist es echt besser geworden

00:24:53: und

00:24:53: natürlich funktioniert das nicht immer so hundertprozentig aber es ist richtig viel besser geworden.

00:24:59: also das kann man einfach so sagen.

00:25:01: Das gibt uns halt auch die nötige Struktur weil ihr müsst euch vorstellen ich halt ADHS-Lachen hatte schon immer Probleme Mit Haushalt immer.

00:25:09: Und du aber auch, dass das mir erzählt in deinen vorherigen Wohnungen hattest du Probleme mit Haushalt?

00:25:15: Obwohl du eigentlich von Typ her ein Typ bist der das gar nicht abkann.

00:25:20: Auf der Arbeit hatte ich ja alles sehr strukturiert aufgeräumt und so durch diese Arbeiten.

00:25:27: Ich war so fertig, dass ich gar nichts mehr irgendwie klargekommen bin Und mich hat das... Das ist natürlich so ein Zwiespalten mit ADS und Autismus, weil ich habe eigentlich immer das Bedürfnis alles tippitoppi zu machen.

00:25:42: Ich würde am liebsten in einem Minimalismus nur hundert Gegenständen wohnen aber das würde mich richtig beruhigen.

00:25:50: bei uns im Haus zum Beispiel am Anfang gekämpft gekämpft gekämmt und dann aber irgendwann gemerkt mit den Kindern Ich kann das nicht leisten.

00:26:00: Zum Beispiel habe ich immer, wenn ein Kind irgendwie in den Marker an die Wand gemacht hat oder so sofort es übergepinselt und so.

00:26:06: Alles bittoppig, ich wollte's halten!

00:26:08: Ich hab bei irgendwann aufgegeben... ...und dann ging es mir jetzt auch super schlecht.

00:26:12: Und dann habe ich zu mir gesagt, weißt du was?

00:26:14: In dieser Lebenssituation kann ich diesen Anforderungen, die ich an mich selber stelle, nicht gerecht färben.

00:26:21: Ja, das war das Gesündeste, was du hier gemacht hast.

00:26:23: Als als ich das dann gesagt habe Scheiß jetzt mal drauf.

00:26:27: Da ist es auch ein bisschen besser geworden, dass sich trotzdem das nicht so ist wie ich das gerne hätte.

00:26:32: entspannter gewonnen ist.

00:26:33: aber nochmal zurückzukommen auf damals.

00:26:36: Es ist natürlich ein Zwiespalt und das ist natürlich sehr anstrengend Aber das war lange Zeit nicht so oder stimmt aber das lag auch ein bischen daran Dass mich meine Jobs fertig gemacht haben.

00:26:48: Ich habe zwar gut gearbeitet und hab auch immer gedacht, ich habe gerne gearbeitet.

00:26:53: Aber ich wusste nicht warum ich nach der Arbeit so erschöpft war... ...und dachte immer das ist irgendwie normal!

00:27:00: Ist es aber nicht?

00:27:01: Ja, aber das spiegelt ja nur dass du deine... Also bitte

00:27:04: nicht den Tisch berühren.

00:27:05: Das spieglt ja nur, dass mit der Arbeit eine maximale Belastung für dich als Autist war.

00:27:11: Spiegelte's ja nur Weil hier sieht's ja jetzt topi-topoi aus.

00:27:14: Das ist nicht das, was ich gerne hätte am Aufräumtheit.

00:27:17: Ja, ich weiß.

00:27:18: Deswegen

00:27:18: nervt mich auch dass wenn du dann irgendwie sagst, ja guck mal wie es dir aussieht und blau und blopp, das nervt sich weil ich sage es einfach nur nicht.

00:27:26: aber ich würde das noch krasser sagen und hätte das gerne noch krasser als du das gerne hättest.

00:27:32: Für dich perfektes reicht mir noch nicht.

00:27:34: Und deswegen nervt me das auch so!

00:27:35: Ich kann das gerade nicht leisten.

00:27:36: alles gut und wenn du denn ankommst und sagt ihr seht so unordentlich aus Weißt

00:27:41: du, dass mein Problem ist als Adhs-Larren so grundsätzlich?

00:27:44: Dass

00:27:44: du einem immer auf den Sack gehst.

00:27:46: Dankeschön!

00:27:49: Ich bin jemand und ich räume auch... Bei

00:27:51: dir ist es so, soll ich dir mal sagen wie das bei dir ist.

00:27:53: Weil dir ist das so, du räumst einen Tag, den ganzen Tag, fünfundzwanzig Stunden.

00:27:57: an diesem Tag räumst du auf und machst alles tippitoppi und dann drei Wochen lang nicht mehr die Waschmaschine anzufassen.

00:28:04: Das stimmt so gar nicht.

00:28:05: Ja, das stimmt!

00:28:06: Und beim...dann...das geht mir halt auch voll hart auf den Sack weil wenn das bei dir dann so ist jetzt wird aufgeräumt Dann muss man jetzt volles melden.

00:28:13: Wenn man das nicht macht, dann geht man als unordentlich und danach kommt gar nichts mehr

00:28:17: Weil ich so ein Lippo-Fokus bin.

00:28:19: Das ist ja genauso wie mit unseren Pfandflaschen.

00:28:21: Also, wir haben das immer voll bis zu einem gewissen Punkt.

00:28:23: Haben wir unsere Abstellkammer voll in Griff und dann eskaliert das irgendwann?

00:28:26: Nein,

00:28:26: das eskalierte weil die so klein ist.

00:28:28: Ja, das auch.

00:28:29: Ich habe noch da ein Systeem.

00:28:29: Schaut sie wie am

00:28:30: fünfundzwanzig Euro.

00:28:31: Nein, nein, nein!

00:28:31: Das muss man fairerweise so sagen.

00:28:33: Die ist zu klein.

00:28:34: Dadurch dass wir viele Kartons hatten.

00:28:36: Gut hätte man auch wegbringen können alles gut.

00:28:38: aber haben wir natürlich diesen einen Meter breiten Gang der ja nur noch ein zwanzig Zentimeter breites.

00:28:46: Du bist da nicht mehr durchgekommen mit deinem dicken Babybauch und deswegen hast du dann den Müll auf dem Müldeckel, einmal Decke gelegt.

00:28:55: Weil du nicht mehr dran gekommen bist!

00:28:57: Und das war das allererste Teil... ...und dann war

00:29:00: vorbei?

00:29:01: Ja, dann habe ich das auch dahin gelegt und dann ist es immer weiterskaliert.

00:29:04: So nach einer Woche denken wir sich so scheiße, ihr muss den ganzen Scheiß aufräumen.

00:29:08: Das

00:29:08: ist total lebendig eigentlich.

00:29:10: Bei mir ist es richtig nach dem Motto aus den Augen, aus den Sinn Bei mir muss die Arbeitsfläche immer tippitoppi aussehen und die Schubladen sind bei uns dauerbaustelle.

00:29:22: Ich finde

00:29:22: halt, wenn du aufräumst dann schmeißt so halt irgendwie sich für Hälfte weg.

00:29:29: Du willst das nicht liegen haben?

00:29:30: Und ich vermisse ständig irgendwelche Gegenstände.

00:29:32: und ja aufräumen ist einfach weg!

00:29:35: Aus den Augen, aus dem Sinn.

00:29:36: aber wenn ich die Küche angucke und da sind Rahmschubladen oder so wo Unordnung drin ist... ...ich sehe das auch mit Zuraschublade.

00:29:42: Ich weiß dass es da ist und das triggert mich.

00:29:44: Ja ich sehe das nicht

00:29:45: Ich weiß das.

00:29:46: aber und ich denke da jeden Tag, den ganzen Tag denke ich darüber nach dass es so aufgeräumt ist.

00:29:51: Echt?

00:29:51: Ja Oh krass.

00:29:53: Und deswegen bringt mir das nicht, wenn ich irgendwie das einfach so oberflächlich mache?

00:29:57: Wisst ihr was auch noch voll der Game Changer ist Leute bei unserer Struktur?

00:30:02: Es gibt ja ein paar Pfeiler es ist ja nicht nur die Systeme und die Struktur an sich aber Spielzeugritation war bei uns auch noch ein Riesengamechander.

00:30:10: und weißt du was mir letztens aufgefallen ist?

00:30:13: unsere Kinder spielen schlechter wenn ich vormittags keinen Bock habe das Kinderzimmer aufzuräumen.

00:30:18: Wenn ich vormittags keine Lust habe das Kinderzimmer aufzuräumen und wieder auf eine Grundordnung zu bringen.

00:30:24: Und alles wieder einzuräumen, haben die nachmittags eine schlechtere Alleinspielzeit.

00:30:29: sprich wir haben weniger Zeit um grundsätzliches zu erledigen?

00:30:33: Ja, ich glaube es hat zwei Gründe.

00:30:35: erstmal dass sie überreizt sind wenn die natürlich in ihrem eigenen Chaos spielen.

00:30:41: ganz

00:30:42: großer Punkt

00:30:43: Ja, man könnte das bei uns auch noch ein bisschen besser machen indem man die Spielzeug besorgt was nur aus wenigen Teilen besteht.

00:30:50: Haben wir übrigens sie auch noch vor?

00:30:52: Wir wollen irgendwie Stück für Stück jetzt weit unser ganzes Spielzeug auszutieren.

00:30:55: Das ist noch nicht perfekt!

00:30:56: Wir brauchen wenig größere Spielsachen und nicht diesen ganzen Kleinkram immer.

00:31:01: Und das macht es natürlich für uns auch sehr anstrengend dass jedes mal wieder aufzuräumen und du musst... die Ordnung da drin behalten.

00:31:07: Ja, die Spielzeugrotation funktioniert halt bei uns noch nicht ganz so perfekt.

00:31:11: das Ding ist halt.

00:31:11: wenn der Kinderzimmer komplett unordentlich ist spielen die Kinder nicht und man muss sich die Situation so schaffen dass man diese Ordnung halten kann ohne jeden Tag fünfundzwanzigmal aufräumen zu müssen weil die Kinder können das noch nicht.

00:31:24: also müssen wir beide den nächsten Mal los und unsere Spielzeuge austauschen, so dass das funktioniert.

00:31:31: Und es ist das same immer weiter optimieren?

00:31:32: Das ist halt ja auch grundsätzlich glaube ich so ein Ding wie... Ich glaube, dass in allen Bereichen so, dass wir als neurodivagente Familie einfach anders denken müssen!

00:31:40: Wir müssen als neuro-divaguente Familie können nicht den Normal bei uns als Standard setzen.

00:31:46: Wir müssen immer ... Aber

00:31:47: weißt du, was mir gerade aufgefallen ist?

00:31:49: Guck mal.

00:31:50: Die Kinder räumen das nicht auf, ne?

00:31:52: Weil sie neurodivagent sind und die haben da den Stress, dass so das aufzuräumen.

00:31:56: Aber ich räume noch auch nicht auf weil es mich so stresst.

00:32:00: Ja!

00:32:01: Ich mach's ja auch deswegen nicht.

00:32:02: Und deswegen

00:32:03: ist die einzige Lösung, die Situation so zu schaffen, dass es nicht unortlich werden kann.

00:32:09: Und das geht als erster Schritt, Leute macht eine Spielzeugrotation.

00:32:13: Alles konkret raus!

00:32:14: Ich werde jeden Tag dazu gefragt auch soll ich dies drin lassen?

00:32:18: Sollte ich das drinnen lassen?

00:32:19: wir haben genau zwei Sachen die dauerhaft drin bleiben.

00:32:22: System an sich das hält viele Säulen Ja aber wenn eine davon wegbrechen würde würde schlechter funktionieren.

00:32:29: und es sind halt solche Sachen wie Spielzeug Rotationen Es sind solche Sachen Wie Reizüberflutung Bedenken und Wenn wir all das im Alltag nicht sauber etabliern haben wir sofort das Problem, dass wir Chaos haben.

00:32:42: Zum Beispiel am Wochenende ... Was hatten wir am Wochenenden gemacht?

00:32:45: Wir waren im Freizeitpark.

00:32:47: Das war Katastrophe und trotz Beglänzung.

00:32:50: Wir sind nur bis drei Uhr geblieben.

00:32:52: andere Familien würden den ganzen Tag bleiben.

00:32:54: Wir begrenzen uns schon extrem, wir sagen schon, wir gehen nicht den ganzen tag.

00:32:59: Was ist passiert?

00:32:59: Der kleinste ist im Auto eingeschlafen, sprich unser Abend war vorbei.

00:33:03: Also genau das Gegenteil von dem was wir wollten.

00:33:05: Ja okay aber das war ja auch ein zeittechnisches Problem weil man ist da natürlich so ein bisschen in der Zwickenmühle.

00:33:10: Wir sind einfach zu früh losgefahren und dann mussten wir das irgendwann abbrechen, weil es nicht nur eine gewisse Zeit geht was ja auch okay ist.

00:33:19: Haben wir aber das Problem gehabt, weil wir so früh losgefahren sind, so früh fertig waren und dann war das eine komische Uhrzeit, so vier, fünf irgendwie ne?

00:33:27: Nee, das war drei Uhr.

00:33:28: Drei Uhr war das!

00:33:29: Und dann ist er eingeschlafen, und wir haben ihn noch nicht wieder wach

00:33:32: gekriegt.

00:33:32: Wir haben den nicht wieder weggekriegt, ja.

00:33:34: Naja... Das war auch klar.

00:33:35: Ich habe dann auch nicht mehr versucht ihm wachzumachen, weil der so fertig war.

00:33:39: Und vor allem muss man auch sagen... Aber

00:33:41: das kann man organisatorisch oder planungstechnisch nächstes Mal anders machen, indem er ein bisschen später fährt.

00:33:46: Man fährt natürlich instinktiv auch immer ein bisschen eher so damit man noch viel davon hat und so.

00:33:51: aber...

00:33:52: Das ist ja auch so.

00:33:52: das Grundproblem, ne?

00:33:54: Das ist der Grundproblem!

00:33:55: Ich glaube also dieser Wunsch nach Namolität du gibst dafür mittlerweile viel Geld aus.

00:34:00: ich meine mittlerweile ist es wirklich so für eine vierköpfige Familie bezahlen wir den Freitagpark.

00:34:04: was haben wir da ausgegeben?

00:34:04: Hundertfünfzig Euro

00:34:05: locker?!

00:34:06: Mit Essen und Tickets usw.

00:34:09: Locker gibt's zu deiner Hundertfünfzig Euro aus, dann willst du natürlich auch was davon haben als Elternteil und willst zumindest dass die Kinder glücklich und zufrieden sind.

00:34:18: Das geht bei uns aber ehrlicherweise immer immer nach hinten los.

00:34:23: Also wenn ich jetzt so überlege wie oft wir versucht haben irgendwie Normalität ein bisschen normalität zu wollen Und dann ist es komplett skaliert.

00:34:31: Ich meine mir fällt da eine konkrete Story ein um jetzt mal wieder was Witziges zu nennen.

00:34:38: Wir wollten zu deinen Eltern fahren und wir wollten deine Eltern zur Weihnachten besuchen, sind also... Und Carstens Eltern wohnen in Nordrhein-Westfalen.

00:34:47: Das heißt?

00:34:48: Wir fahren schonmal so gut drei Stunden?

00:34:50: Ja!

00:34:51: Drei Stunden fahren wir hin.

00:34:53: Wir haben die Kinder also eingeparkt, haben alles geplant.

00:34:55: Ich plan ja sowieso immer alles vom Taschenfeuchtücher

00:34:58: usw.,

00:34:59: je wisst es.

00:34:59: So, sind losgefahren und dann waren wir im Paderborn auf dem Weihnachtsmarkt.

00:35:04: Ich weiß, das sind doch immer meine Gedanken.

00:35:07: Du hast gesagt, dass wäre keine gute Idee.

00:35:09: Das weiss ich sogar noch!

00:35:10: Wir sind in Paderborn auf dem Weihnachtsmark gewesen und wir hatten eigentlich vor im Hotelzimmer ein paar Daboren zu übernachten oder am nächsten Tag zu deinen Eltern zu fahren weil die wohnen auch ein bisschen weiter.

00:35:20: Und dann haben wir uns einen Hotelzimer gebucht Alles fertig, sind dann auf dem Weihnachtsmarkt gefahren.

00:35:25: Kinder sind Karussell gefahren und danach ist es eskaliert.

00:35:28: Kurz vor dem zweiten Advent an einem Samstagnachmittag aufm Weihnachtsmarkt als neurodivagente Familie zu fahren... ...ist halt so die dümmste Sache, die du hättest machen können ne?

00:35:38: Ja ich hab's ja gesagt, aber auf mich hat er keiner.

00:35:41: Du hast es sogar noch gesagt!

00:35:44: Aber warum haben wir das

00:35:45: gemacht?!

00:35:46: Weil wir einfach die Zeit rumkriegen wollten.

00:35:48: Erstens das?

00:35:48: Wir wollten die Zeit drum kriegen, ja und irgendwie hat man immer gehofft... Man hat doch immer die Hoffnung dass es klappt.

00:35:53: Das ist irgendwie

00:35:53: dieses Maschinenwirt.

00:35:54: Da waren wir da auf dem Weihnachtsmarkt und da hatte schon drei Melddowns.

00:35:59: und dann haben wir uns

00:36:00: überlegt,

00:36:01: sind wir noch in so einem Einkaufszentrum gefahren um den Kindern da erstmal was zu essen zu holen weil wir ihn auch nicht ins Hotel konnten.

00:36:09: Und da wollten wir dann kurz was holen,

00:36:11: ich dachte mir

00:36:12: ja gut wenn die sich da irgendwas zu essen haben und so dann geht er schon wieder.

00:36:16: Und dann ist das aber so schlimm geworden dass wir uns entschieden haben zweieinhalb Stunden oder fast drei Stunden

00:36:24: wieder nach Hause

00:36:25: zu fahren

00:36:26: ohne unser eigenem Betten zu schlafen.

00:36:28: Das macht doch kein normaler Mensch.

00:36:30: also Wir waren aber auch selber.

00:36:33: Aber

00:36:33: ich war natürlich selber auch irgendwie so überreizt,

00:36:35: ne?

00:36:35: Ja wir haben uns ja dann noch gestritten.

00:36:37: Bubi hat geweint

00:36:38: und mir wäre das auch so viel gewesen in diesem Hotel zu meinen einem fremden Bett zu schlafen und deswegen habe ich da die Notbremse gezogen und hab gesagt weißt du was?

00:36:45: wir fahren?

00:36:46: nach Hause sind am nächsten Tag wieder drei Stunden gefahren zu meinen Eltern... Und dann wieder zurück.

00:36:51: eben diesen Wochenende bin ich nur Auto gefahren!

00:36:53: Und das ist halt solche Sachen wo wir immer wieder merken okay wir sind neurodivergent.

00:36:58: Andere hätten gesagt, ja komm wir haben jetzt ein Hotelzimmer gebucht.

00:37:01: Jetzt müssen wir da auch durch.

00:37:02: Ja aber andere

00:37:02: hätten diese krassen Probleme ja auch.

00:37:05: Also

00:37:06: ich will jetzt nicht... sagen, dass eine normale Familie keine Probleme mit ihren Kindern hat.

00:37:12: Ja aber grundsätzlich ist es halt auch so ne?

00:37:14: Ich fühle mich im Hotelzimmer halt meistens nicht so wohl oder kann da nicht so gut schlafen wie zu Hause.

00:37:20: das ist halt einfach für mich der noch mal zusätzlichen Stress und wir waren so gestresst durch diese Situation.

00:37:25: dann standen wir bei einem Einkaufzentrum.

00:37:27: Wir haben uns gestritten Bubi hat geweint Große hatte voll den Meltdown.

00:37:32: Es war richtig viel!

00:37:33: Wir standen da wie so ein Ox vom Berg, ich weiß noch, wir standen dann und wir haben uns angeguckt und dachten immer so Alter kein Bock mehr.

00:37:40: Null Komma Null.

00:37:41: Und Ich weiss noch dass ich da auch richtig angepisst war.

00:37:43: Aber

00:37:44: ich finde du bist doch immer die Person die das dann... richtig mit einer Brechstange bis zum Schluss durchziehen will.

00:37:52: Damit es auf jeden Fall klappt und ich bin ja eher so, dass ich früher schon sage kommen lasst uns das abbrechen.

00:37:56: und ich musste ja dann erst noch drei Stunden überzeugen davon, was jetzt sinnvoll ist das abzubrechen

00:38:01: Das stimmt.

00:38:02: Du machst dann immer so lange weiter, was erwartet man?

00:38:05: Dass es irgendwann besser wird, das passiert doch nicht!

00:38:07: Das ist halt wieder dieser Wunsch nach Normalität.

00:38:09: Ja

00:38:10: aber das ist zu viel für die Kinder.

00:38:11: Die können nicht zum Weihnachtsmarkt und dann zum Hotel oder zu Roma oder wieder nach Hause.

00:38:15: Richtig, dass ist zuviel.

00:38:17: Und das muss man halt auch irgendwann akzeptieren und sich ein anderes normal bauen.

00:38:23: Zum Beispiel wenn wir irgendwann mal wieder in Urlaub fahren würden... Unser letzter Urlaub bis jetzt Zwei Jahre her?

00:38:31: Zwei, drei Jahre.

00:38:32: Da war Bubi noch ganz klein.

00:38:33: Nee gar nicht!

00:38:34: Unser letzter Urlaub ist ein halbes Jahr her.

00:38:36: da waren wir in Dänemark.

00:38:38: Ach so ja stimmt.

00:38:39: Lala Andrea waren wir gewesen.

00:38:41: Ganz tolles Resort.

00:38:43: Ich weiß nicht warum ich das nicht als Urlaub in Erinnerung habe weil das irgendwie dann auch kein Urlaub isst.

00:38:48: ne

00:38:49: Das ist es eben, ne?

00:38:50: Wobei das fand ich jetzt gar nicht so blöd da.

00:38:54: Im Großen und Ganzen war das eigentlich schon ein bisschen okay aber ... Es war halt kein Urlaub!

00:38:58: Es war einfach nur Actionbespaßung für die Kinder.

00:39:01: Der letzte Urlaub in der Türkei war ja wirklich auch so eine Entspannungsurlaub.

00:39:05: Ja,

00:39:05: das war schön... Die Große ist doch richtig untergefahren.

00:39:07: Da ging es auch wurscherweise

00:39:08: mit der Sonne dar und alles.

00:39:10: Da war unsere Tochter richtig gut drauf.

00:39:12: also das fand Ich zurückblickend gut.

00:39:15: dass wie sie da war

00:39:16: Ja, fand ich auch.

00:39:18: Ich glaub das macht die Sonne!

00:39:19: Das sagst du ja aber auch selber.

00:39:21: Du sagst ja selber von dir, ich kann dieses grauen, grauen Deutschland nicht ab?

00:39:26: Ja deswegen müsste man eigentlich auch auswandern.

00:39:28: also ich will eigentlich schon immer auswandernen.

00:39:31: Ich hatte sonst nie so die Möglichkeiten weil ich immer dachte ja gut dann bist du da in der Sonne hast aber keinen Job.

00:39:37: Auswandern steht bei mir eigentlich schon auf der Liste.

00:39:40: Carsten hat schon mal überlegt in sein Leben und er müsst ihr euch den Leidensdruck als undiagnostizierte Person vorstellen.

00:39:47: Carston hat schon einmal überlegt ernsthaft nach Spanien zu fliegen, dort Obdach loszuwerden weil er den Gedanken dort obdachlos zu sein entspannter fand als täglich zu arbeiten Also und diesen Stress ausgesetzt zu sein.

00:40:04: Und er hatte eine wirklich gute Position, ne?

00:40:06: Er war Vorarbeiter!

00:40:07: Ja das Problem ist nicht die Arbeit... Ich grad meine Arbeit geschafft und das war nicht so das Problem.

00:40:13: ich wusste damals nicht was mich da so belastet hat.

00:40:16: Mich hat einfach nur das Soziale belastete.

00:40:19: Nur die Leute und so.

00:40:20: Es waren nicht die Arbeiten wie die viele arbeit oder die krasse Arbeit oder noch mehr und noch mehr.

00:40:25: Ich kann arbeiten bis nach dem Buktu.

00:40:27: Ich

00:40:27: wusste nicht

00:40:28: warum ich fertig war.

00:40:29: Das waren die Leute.

00:40:30: Es war zu viel für mich, für meine Wahrnehmung.

00:40:33: Und wenn wir jetzt wieder zurück auf unsere Kinder kommen, dann ist das ein Punkt den ich euch jeden Tag zum Reflektieren mal mitgeben möchte, weil es ja halt auch so, dass unsere Kinder einfach noch viel kleiner sind und all das was uns vielleicht schon als Eltern soviel ist – das rechnen wir mal mal hundert, denn haben die Belastungen, die unsere Kinder dadurch haben!

00:40:54: Hört sich jetzt vielleicht extrem überspitzt an, aber unsere Kinder können das all das noch nicht.

00:40:59: Die können doch nicht richtig reflektiert denken, die können auch nicht richtig impulsiv ihre Impulse kontrollieren und die können auf gar keinen Fall ihre Reizeüberflutung filtern.

00:41:09: Und das ist etwas was ich mir versuche auch in schlechten Momenten wie heute Morgen immer wieder vor Augen zu führen dass gerade in so Momenten, wo sie mich selbst nervös macht, meine Tochter, indem Sie die ganze Zeit hin und her rennt oder abends beim Fernsehgucken hierhin und hererflippt.

00:41:28: Weil sie uns nicht genau erzählen kann was sie möchte wie belastend das sein muss.

00:41:32: Das versuche ich mir vor Augen zu führen Und dann halt auch die Rolle einzunehmen, dass ich sage.

00:41:37: Ich bin als Elternteil dafür verantwortlich, ihr die nötige Sicherheit zu geben und ihr auch zu zeigen okay es ist ein Ordnung wenn du das jetzt deine Gefühle gerade nicht einordnen kannst.

00:41:47: doch über hatte ich dir in der letzten Folge schon gesprochen, dass es super wichtig ist Kindern die Gefühl halt irgendwie ja seine eigenen Gefühlen als Eltern erstmal nicht zu verstecken damit dir deiner eigenen Kinder das die Chance haben überhaupt gefühle zu lernen.

00:42:01: so und genauso ist es zum Beispiel Der Große, gehen wir jetzt davon aus.

00:42:06: Er wird ein ganz normaler Junge.

00:42:09: Stand jetzt ... ist es ja so, dass er eigentlich wenig Auffälligkeiten zeigt?

00:42:14: Siehst du auffälligkeiten bei ihm?

00:42:15: Ja, sensorisch ganz viel!

00:42:17: Zum Beispiel das er sich die Socken aussieht und die Schuhe aussieht, soweit da im Auto steigt weil er... Ich hätte

00:42:22: gerne mal, dass unsere Kinder sich die Schuh und Socken auch selbstständig ausziehen.

00:42:25: in dem Alter ist das glaube ich ... jetzt noch ein bisschen weitergeholt.

00:42:29: Ja, aber Schatzi, man achtet schon anders drauf oder?

00:42:31: Die Wahrscheinlichkeit dass er auch Neudehrer und Divergentes ist ja eigentlich bei hundert Prozent, sag ich doch.

00:42:37: Ich finde gut wie er sich entwickelt... ...und ähm ich bin da eigentlich relativ zufrieden also... ...zu frühgründlichen Autismus oder so was da nicht.

00:42:43: Nein definitiv nicht!

00:42:44: Also dabei entwickert der sich tatsächlich anders als die große ganz ganz deutlich... Das einzige

00:42:48: Problem is', Kleinen gucken sie sich auf den großen Nimmer ab,... ..."Und unsere Tochter wenn Sie sich zum Beispiel selbst ins Gesicht haut...".

00:42:56: Ohja

00:42:57: Hat er sich das abgeguckt?

00:42:58: Das war eine Phase, es ist jetzt nicht mehr.

00:42:59: Er hat sich selber ins Gesicht gehauen wenn er irgendwas wollte aber nicht weil der selber Autismus oder so was hat sondern weil er's einfach nachmacht zum Beispiel dass mit den an den Haaren ziehen und so auch.

00:43:12: deswegen glaube ich kann es vielleicht nur so wirken dass er was hat obwohl er sich einfach nur von ... abguckt.

00:43:19: Aber schauen wir mal wie er sich dann weggelt.

00:43:21: Ich bin jetzt eigentlich relativ zufrieden.

00:43:22: Also

00:43:23: z.B habe ich gestern noch einen Instagram-Post gemacht dass Geschwisterbindung in der Verantwortung für Eltern liegt.

00:43:29: Aber das ist ein anderes Thema.

00:43:31: Das ist ein großes

00:43:32: Thema, finde ich nämlich.

00:43:35: Weil wenn du als erwachsene Person keinen Draht zu deinen Geschwistern hast ... Ist das zu hundert Prozent meiner Meinung nach die Schuld von deinen Eltern?

00:43:43: Hundert Prozent!

00:43:44: Das sehe ich auch so.

00:43:45: Weil es ist halt einfach so... Ich liebe meine Geschwisters.

00:43:49: Definitiv.

00:43:50: Ich fühle da auch eine Bindung zu, aber sie können stärker sein und ich glaube das kann man als Eltern gezielt fördern.

00:43:57: Ja, weil wie gesagt ist es ne neue Folge an sich.

00:43:59: Das wäre jetzt ein größeres Thema hier anzustehen.

00:44:01: Ja, ich wollte

00:44:01: gerade schon loslegen Aber ich glaube, dass würde den Rahmen sprengen.

00:44:05: Da machen wir mal ne eigene Folge.

00:44:07: Letzte Frage für dich Menschatz Fühlst du dich manchmal Als Elternteil?

00:44:12: Als Versager Weil wir nicht das leisten können oder weil wir das Gefühl haben Wir können das nicht leisten was andere Eltern leisten?

00:44:19: Ich kann noch mehr leisten, was andere Eltern leisten.

00:44:22: Das finde ich mega!

00:44:24: Ich find diese Antwort grad mega!

00:44:26: Ja es ist doch so... Es wirkt halt so weil man selbst immer mehr leistet wie andere Eltern trotzdem nicht die Perfektion hat.

00:44:33: das finde ich halt auch so krass dass man da immer aneckt weil es von außen sieht du raus hättest du deine Kinder nicht im Griff.

00:44:38: aber wenn mal einer wirklich genauer hängt schaut dann würden sie sehen dass du dreimal so viel machst wie man normalen kennt.

00:44:43: ich habe den Unterschied.

00:44:44: ich hab ja den direkten Vergleich von unserem Sohn zu unserer Tochter.

00:44:48: Ich habe den direkten Vergleich, ich hab den heute Morgen ins Auto gesetzt.

00:44:51: Unser Sohn ist einfach da reingegangen.

00:44:53: und unsere sechsjährige Tochter wie viel wiegt die mittlerweile?

00:44:57: Ich trage die ins Bett...

00:44:58: Ja, ich weiß!

00:44:59: ...wie ein Baby.

00:44:59: Ich traGE die ins Auto.

00:45:01: Ich hab seit Wochenrückenschmerzen.

00:45:03: Ich leiste mehr als Eltern von normalen Kindern und ich habe jetzt den Vergleich.

00:45:08: Jeder kann ja viele erzählen aber ich habe dem Vergleich.

00:45:11: Ich hatte bis jetzt noch ein normales Kind und ich hatte ein autistisches Kind Und es ist mit unserer Tochter tausendmal härter.

00:45:23: Weil

00:45:23: du auch

00:45:23: super viel ... Es wird einfach nicht wertgeschätzt, weil das von außen so aussieht, dass hättest du deine Tochter nicht im Griff, weil die Tochter da rumschreit.

00:45:29: Das ist aber total unfair und man muss mehr leisten damit man überhaupt irgendwie hinterkommt.

00:45:35: In diesen

00:45:35: Worten möchte ich gerne diese Podcastfolge schließen.

00:45:39: Ich finde, dazu ist nichts hinzuzufügen.

00:45:42: Jeder in unserer Situation ist jede Mama, jeder Papa, jede Familie die sollte sich allen Ernstes wirklich mal selber vor Augen führen was sie tagtäglich leistet und sich nicht jeden Tag eine Selbstvorwürfe oder Zweifel ob man das Kräute gut genug gemacht hat irgendwie sollen weil das ist unfair.

00:46:03: es ist unfair.

00:46:04: Wir leisten genug jeden Tag.

00:46:06: Alleine schon mit den Therapien, mit dem Diagnosen... Der ist das ganze Thema ne?

00:46:11: Das ist ja eine Never-Ending Story!

00:46:13: Ja, das sehe ich auch so.

00:46:14: Also Leute lasst euch dich unterkriegen bis zum nächsten Mal.

00:46:18: Tschüss!

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